Amnestie oder Artwashing? 2


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Jihadi Jens

Will Jens Besser Gnade oder freies Geleit?  – Schöne Aktion, unschönes Interview – Artwashing für unterdrückerischen Ölstaat – Wie weiter?

Es war eine richtig schöne Aktion von Jens Besser im Februar als er in Saudi-Arabien war und ein Denkmal von innen angemalt hat. Nicht so schön war, dass er anschließend der mit der BILD-Zeitung darüber gesprochen hat. Und vollkommen lächerlich, dass er jetzt versucht, Amnestie vom saudischen König zu bekommen. Die Frage ist: Will Jens Besser Gnade oder freies Geleit? Und vor allem: Darf man sich als Streetart-Künstler nach Saudi-Arabien einladen lassen?

Was bisher geschah

Aber der Reihe nach: Im Februar reiste der Dresdner Streetart-Künstler Besser auf Einladung des Goethe-Instituts nach Dschidda, Saudi Arabien. Er sollte dort eigentlich am jährlichen Janadriyah-Kulturfestival teilnehmen. Dann starb der saudische König und das Festival wurde kurzfristig abgesagt. Also schnappte sich Jens Besser ein paar Dosen und machte zwei Aktionen im öffentlichen Raum und ein paar Workshops. So weit, so gut.

Wieder zuhause titelte nach einem Blogbericht die Dresdner BILD-Zeitung dann plötzlich Anfang März „Saudis jagen Dresdner Sprüher – Ist der denn völlig irre?“. Es gab zwar keine Saudis, die ihn jagten, was er im Interview auch erklärte, aber ist halt die BILD. Vor ein paar Tagen erklärte Besser dann noch, dass er mit seinen Aktionen gar nichts Böses im Sinn gehabt habe und eine Berliner Islamwissenschaftlerin attestierte, „eine Amnestie wäre möglich“.

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Quelle: Urbanshit.de

Kulturfest der Nationalgarde

Es ist schon merkwürdig, ein Land für seine Menschenrechtslage zu kritisieren und dann aus sicherer Entfernung Amnestie für (ja wofür eigentlich?) zu erbitten. Man könnte das jetzt abtun und sagen, das war halt eine BILD-Geschichte und der Jens Besser hat sie noch ein bisschen weitergedreht. Aber die eigentliche Frage ist: Was machen deutsche Streetart-Künstler eigentlich in Saudi-Arabien?

Jens Besser war eingeladen auf dem Janadriyah-Kulturfestival, das jedes Jahr von der saudischen Nationalgarde veranstaltet wird („Weiße Armee“). Das ist so etwas wie die Privatarmee des saudischen Königs und hilfreich, wenn es um die Niederschlagung von Aufständen, willkürliche Verhaftungen und Folter geht. Das Goethe-Institut hat die Einladung des Streetart-Künstlers organisiert, weil Deutschland in diesem Jahr Gastland sein sollte. Es sollte einen deutschen Pavillon geben, mit lebensgroßen „Fachwerkhäusern“ und eben auch deutscher Streetart.

Artwashing für Saudi-Arabien?

Es gab auch Leute aus der Graffiti- und Streetartszene, die so eine Einladung abgelehnt haben. Sie sehen es als „Artwashing“, einem unterdrückerischen Ölstaat mit Streetart-Aktionen ein künstlerisches Deckmäntelchen umzuhängen. Es gab es in den letzten Jahren genug Vollidioten-Graffitisprüher und Streetart-Künstler, die bei so einer Einladung nicht Nein gesagt haben (und vielleicht wenigstens anständig bezahlt wurden). Ein besonders haarsträubendes Beispiel, wie Sprüher sich für ein paar Cocktails am Pool für eine schlechte Sache einspannen lassen, war das „längste Graffiti der Welt“, das neulich (mal wieder) in Dubai gemalt wurde (Vereinigte Arabische Emirate):

Dass Deutschland erst seit Neuestem keine Waffen mehr nach Saudi-Arabien liefert, dürfte bei deren Entscheidung auch noch keine Rolle gespielt haben. Waffen, unter anderem von Heckler&Koch, dürften auch in Zukunft auf Umwegen in die Hände der Nationalgarde gelangen, die 2016 das ausgefallene Janadriyah-Kulturfestival nachholen will.

Was nun?

Jens Besser hat diesmal das Beste aus seinem Saudi-Arabien-Trip gemacht. Streetart- und Graffitikünstler sollten es sich aber in Zukunft zweimal überlegen, ob sie bei dieser Art von Artwashing behilflich sein wollen.


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