Neue sehr umstrittene Folge "5 Minutes" von ARTE mit 013-Crew In der neuesten…


Neue sehr umstrittene Folge "5 Minutes" von ARTE mit 013-Crew

In der neuesten Folge der Graffiti-/Streetart-Serie "5 Minutes" von ARTE Creative, Red Tower Films und ILG wird die Berner Crew 013 gefeatured. Rund um diese Folge gab es VIEL Kritik, die nicht ganz unbegründet erscheint. Folgend der Link zur SEHR unkritischen Kurzdoku, einem aktuellen Zeitungsbericht darüber und unsere Stellungsnahme dazu. Die Diskussion ist eröffnet! 😉

Unser Kommentar:

Arte Creative präsentiert 031 – kein unumstrittenes Unterfangen. Kaum eine Schweizer Graffiti-Crew polarisiert seit Jahren nicht nur im heimischen Bern sondern auch weit darüber hinaus die Szene in vergleichbarem Maße, mischt Parties auf wie man es früher mal von Berlinern kannte und füttert die Medien mit immer neuen Nachrichten über die Verstrickungen von Writern in Gewaltkriminalität und Straßenschlachten.

Die Doku beleuchtet nur einen Teil der Aktivitäten der 031er, die neben ihren Style-Vorstellungen und dem Zusammenhalt in der Gruppe auch ihre Gesellschaftskritik anreißen. Dabei ist interessant, dass illegalem Graffiti – vermutlich ohne dies zu beabsichtigen – eine systemstabilisierende Rolle zugeschrieben wird.

"Es ist sehr wichtig, hier in der Schweiz, illegale Graffiti zu machen. Es ist mehr als Sachbeschädigung. Man muss sich die Gesellschaft hier geordnet vorstellen, extrem korrekt und extrem gestresst. Und da kann so etwas wie Graffiti zu einem Hoffnungsschimmer werden. Die Menschen warten im Bahnhof auf ihre S-Bahn, um zur Arbeit zu fahren. Es fährt ein Zug nach dem anderen ein, jeden Tag die gleiche Routine, und plötzlich kommt eine S-Bahn mit einem großen End-to-End, bei dem Characters über die Scheiben gemalt sind. Für diese Menschen soll das ein Zeichen sein, dass es immer noch möglich ist, man selbst zu sein, sich auszudrücken, und seinen inneren Trieb auch ernst zu nehmen."

Scheinbar geht es also auch hier weniger um konkrete Alternativen zum kritisierten "System" als darum aufzuzeigen, dass Graffiti eine Möglichkeit der Selbstentfaltung bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Strukturen sein kann.

Ach ja, und zu guter Letzt die Kommentarspalte, immer wieder entlarvend unterhaltsam, wo Ursachenforschung von Jugendrevolten und Kunstkritik frei Haus geliefert werden: "Mehr als eine erbärmliche Gruppe von Verlierern, die den Fehler für ihr Versagen bei anderen als sich selbst suchen, ist 031 nicht (…) Wie kommt Arte überhaupt auf die Idee 031 Graffitis als Kunst darzustellen?" (Kommentar von "Ein Berner").

Derartige Kommentare zeigen, dass 031 zumindest teilweise auf dem richtigen Weg sind, da ihre Aktionen in den gesellschaftlichen Alltag intervenieren und kaum für kommerzielle oder politische Interessen vereinnahmbar sind.

Die Kurzdoku: http://creative.arte.tv/de/5-minutes-bern
20 Min Schweiz dazu: http://www.20min.ch/schweiz/bern/story/Deutscher-Dokfilm-zeigt-gewalttaetige-031-Gang-12049888


"Ich verabscheue die verlogene Demokratie": Mit der 013-Crew in Bern | ARTE Creative
creative.arte.tv
Achtung, Trainporn! Die 013-Crew ist international bekannt als eine Gruppe von Graffiti-Künstlern, die illegal auf der Straße und auf Züge sprühen. Ihr Stil ist simpel, gut lesbar und schnörkellos.