Rios Sprüher gegen Folter und Morde


Im Netz kursiert ein Video aus Rio, in dem private Sicherheitskräfte vermutlich drei Sprüher gefoltert haben. Die Sprüher wehren sich jetzt mit Demos und einer spektakulären Aktion. Aber die Gewalt gegen schwarze Jugendliche ist inzwischen fast alltäglich. In den letzten Jahren gab es bereits fünf Tote.

Erst mussten sie sich ausziehen. Dann wurden sie mit Farbe überschüttet. Ihre Angreifer sprühten ihnen ins Gesicht und in die Ohren. Zum Schluss wurden sie mit Eisenstangen verprügelt – was in der Nacht des 21. Januar 2016 im Zentrum Rio de Janeiros passiert zu sein scheint, lässt sich nur als Folter bezeichnen. Folter, die verübt wurde von privaten Sicherheitskräften an Graffitisprühern, genauer gesagt “Pixadores” (“Tagger”).

Graffiti am Hauptbahnhof Rios

Rios Sprüher schlagen zurück – auf der Uhr vom Hauptbahnhof

Das Ganze haben die Folterer gefilmt und wenig später wurde es von Fernsehsendern veröffentlicht. Seitdem sind die Pixadores in Rio wütend. Sie veröffentlichten ein Manifest, errichteten ein Denkmal für alle ermordeten Sprüher. Mindestens fünf Pixadores sind, nach ihren Angaben, bereits ermordet worden. Außerdem organisierten sie eine erste Demonstration. Wenig später kletterte einer von ihnen auf das Gebäude des Hauptbahnhofs, der in der Nähe liegt von dort, wo die Übergriffe auf die drei Pixadores stattgefunden hatten. Mitten auf dem bekannten Gebäude hinterlies er die Botschaft: “Unsere Heimat ist da, wo man uns liebt.” (VIDEO UNTEN). Um so symbolischer ist diese Aktion, weil in dem Gebäude auch die städtische Sicherheitsverwaltung von Rio de Janeiro sitzt.

Morde, Übergriffe und Folter besonders gegen schwarze Jugendliche sind in Rio de Janeiro ein weit verbreitetes Problem. Häufig sind die Täter selbst Polizisten oder, wie im aktuellen Fall, private Sicherheitskräfte. Amnesty gab im 2015 bekannt, dass in den vergangenen fünf Jahren in Rio fast jeden Tag ein Mensch durch die Polizei zu Tode kam. Die Polizei ist für 16 Prozent aller Morde verantwortlich. Es ist höchste Zeit, dass sich hieran etwas ändert. Zumal in einer Stadt, wo im Sommer die Olympischen Spiele stattfinden sollen.

Wer mehr über Pixação, oder “Xarpi” (Pichação in Rio) erfahren will, dem empfehlen wir das Interview mit Guga Coelho beim #VandalCafé 7. Sein Dokumentarfilm “Luz, Câmera, Pichação!” ist seit Kurzem komplett auf Youtube zu sehen.