Wir. Sprayen. Deutschland. 5


Ein besonders übles Beispiel, wohin die Zelebrierung von Männlichkeit im Graffiti führen kann: Graffitisprühen als Bundeswehr-Reklame. Bei unsere Recherchen zum Vandal Café #10 (“Female Fame”) sind wir auf diesen Werbespot gestoßen, der vor drei Jahren auf dem Bundeswehr-Youtube-Kanal gelaufen ist. “The Sprayers” soll wohl zeigen, wie ähnlich Sprüher und Soldaten arbeiten (Taktik, Zusammenhalt, Männlichkeit). Produziert wurde das Ganze von Studenten der Design-Akademie Berlin, einer privaten Hochschule, die wohl öfter mit der Bundeswehr zusammenarbeitet.

Der Zusammenschnitt unseres Vandal Cafés kommt bald!

https://vimeo.com/37688970

5 Gedanken zu “Wir. Sprayen. Deutschland.

  • Prof. Gilbert Beronneau

    Liebes Graffitiarchiv,
    Ich habe das Projekt Bundeswehr im Bereich Film nun schon vor einigen Jahren betreut. Wir haben nur einmal mit der Bundeswehr zusammengearbeitet. Die Zusammenarbeit war unter dem Blickwinkel der Ansprache junger Zielgruppen für den Wehrdienst kurz nach der Aussetzung der Wehrpflicht. Wir haben uns ohne Uniformen, Waffen oder Kasernen zu zeigen in vier Video-Arbeiten und Webseiten mit dem Thema Bundeswehr mit dem Schwerpunkt der Rekrutierung auseinandergesetzt. Das Video The Sprayers war eine von vier Arbeiten. Wir ihr richtig beschrieben hat ging es um Teamgeist, Genauigkeit, Taktik. Um Männlichkeit ging es allerdings gar nicht, zumal mehr als die Hälfte unser Studierenden weiblich ist. Eine andere Arbeit visualisiert ähnliche Kriterien aus (eher weiblicher) Perspektive (siehe auch vimeo der design akademie berlin). Dort werden Tanz, Kochen und Schach als Metaphern für Erfordernisse in der Bundeswehr thematisiert. Ich hoffe zur zur Objektivität des Beitrags beigetragen zu haben und schicke viele Grüße! G. Beronneau

    • Admin Beitragsautor

      Lieber Professor Beronneau,

      Danke für die Anmerkungen! Wir waren nicht ganz genau. Eigentlich arbeitet nur der Träger der Design-Akademie Berlin (die SRH Holding) häufiger mit der Bundeswehr zusammen. Beim Thema Männlichkeit würden wir allerdings gern widersprechen. Natürlich geht es in dem Video um Männlichkeit, auch wenn das im Konzept vielleicht nicht vorgesehen war. Drei Männer wollen sprühen gehen, Abklatschen mit Ghettofaust, los gehts. Dann sprühen sie drei salutierende Silhouetten (die auch nicht gerade weiblich aussehen) und der herbeigeeilte Sicherheitsmann schmunzelt mitwissend dazu (schließlich ist er ja auch Teil der Männergemeinschaft).

      Natürlich ist der Alltag in der Graffitiszene männlich, aber der Film eben auch.

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